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Katastrophenhilfe

Hungerkatastrophe in Äthiopien

75.000 Kinder könnten innerhalb weniger Stunden sterben

Kind bei der Untersuchung. (Copyright: Save the Children, Save the Children Deutschland)Das Tulla-Gesundheitszentrum liegt im Süden Äthiopiens. Hier auf dem Land, weit von der Hauptstadt Addis Abeba entfernt, herrscht Dürre. Das ist nichts Ungewöhnliches für die Menschen, die hier leben. Immer wieder bleibt der Regen aus, immer wieder verdörrt die spärliche Saat auf den Feldern. Und immer wieder haben die Menschen Hunger. Aber jetzt ist alles anders. Schlimmer.

Die Preise für Lebensmittel sind weltweit dramatisch angestiegen. Viele Äthiopier können es sich deshalb nicht mehr leisten, die Nahrungsmittel zu kaufen, die sie brauchen, um während der Dürrezeit zu überleben. Fast fünf Millionen Menschen, vor allem auf dem Land, kämpfen gegen Unterernährung und Krankheiten an, die durch den Mangel an Nahrung verursacht werden.

Viele Mütter kommen in das Tulla-Gesundheitszentrum, weil sie nicht weiterwissen. Ihre Kinder gehören oft zu den 75.000 im Land, die so stark unterernährt sind, dass sie ohne Hilfe innerhalb weniger Stunden sterben könnten. Fast 700.000 weitere Mädchen und Jungen in ganz Äthiopien sind von der Hungersnot betroffen.

Krankenschwester Almaz. (Copyright: Save the Children, Save the Children Deutschland)Schwester Almaz ist Krankenschwester in Tulla. Sie ist darin geschult worden, die Anzeichen von Unterernährung zu erkennen und zu behandeln. Sie misst Fieber und überprüft den Armumfang der Kinder, um den Grad der Unterernährung festzustellen. Weil unterernährte Kinder besonders anfällig für Infektionen sind, hat Almaz immer etwas Antibiotikum in ihrem Medizinschrank. Wenn die Kinder, wie so häufig, schon krank sind, kann sie ihnen so schnell helfen. Sicher ist sicher.

 

Save the Children arbeitet seit 2007 in der Region, in der das Tulla-Gesundheitszentrum liegt. Wir unterstützen die Lokalregierung dabei, die notwendigen Untersuchungen in den Gesundheitszentren durchzuführen und therapeutische Nahrungsmittel zu verteilen. Außerdem schulen wir Mitarbeiter wie Almaz und zeigen ihnen, wie sie Mangel- und Unterernährung erkennen und behandeln. In insgesamt acht Regionen Äthiopiens helfen wir Kindern und ihren Familien, die Folgen der Hungersnot zu überwinden: Wir wollen in den nächsten Monaten nicht nur 48.000 unterernährte Kinder und zahlreiche werdende und stillende Mütter unterstützen. In Amhara, Somali und Afar werden wir außerdem 500.000 Menschen mit Lebensmitteln wie Öl, Getreide und Hülsenfrüchten versorgen. Wir unterstützen auch Familien dabei, ihren Viehbestand am Leben zu halten, indem wir den Tieren notwendige Medizin verabreichen und Futter bereitstellen. Das Vieh ist für viele Familien die einzige Lebensgrundlage und hilft ihnen zu überleben. Die Deutsche Bundesregierung hat ihre finanzielle Hilfe für Äthiopien jetzt sogar verdoppelt, da die Lage in den armen Gebieten immer dramatischer wird.

Thomas ist erst ein Jahr alt. Seine Mutter kam mit ihm ins Tulla-Gesundheitszentrum. Auch bei ihm hat Almaz zuerst den Armumfang gemessen und seinen Bauch nach Anzeichen von Hungerödemen untersucht. Außerdem wird heute seine Körpergröße gemessen und alle Daten festgehalten, um die Veränderungen bei seiner nächsten Untersuchung feststellen zu können.

Bei dieser Untersuchung wurde festgestellt, dass Thomas unternährt ist. In den nächsten Tagen wird er daher Plumpy’Nut® zu essen bekommen, eine mit Vitamin A angereicherte, sehr kalorienreiche Erdnussbutter, die in fertigen Portionspackungen verabreicht wird und nicht mit Wasser angerührt werden muss. Das mindert die Gefahr der Verunreinigung. Durch Plumpy’Nut® wird Thomas' geschwächter Körper soweit "wiederaufgepäppelt", dass er außer Lebensgefahr ist. Mittlerweile zeigen in Äthiopien aber selbst ältere Kinder und Erwachsene Zeichen von Unterernährung, dabei können sie Hungersnöte eigentlich viel besser wegstecken. Deshalb verteilt Almaz im Gesundheitszentrum auch Kekse mit dem seltsamen Namen „BP-100“, die als Nahrungsergänzung für ältere Kinder dienen. Nächste Woche wird sie sich Thomas noch einmal angucken. Hoffentlich geht es ihm dann besser.

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06.08.2008