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Katastrophenhilfe
 

Zyklon Nagris in Myanmar

Kyaw kämpft um das Leben seiner Familie

Kyaw Win Than mit seiner Familie. Kyaw Win Than mit seiner Familie vor den Überresten ihres Hauses, dass durch den Wirbelsturm in Myanmar vollständig zerstört wurde. (Copyright: Save the Children Deutschland)Okkalapa liegt im Nordosten von Myanmars Metropole Yangon (Rangun). Hier, weit entfernt von dem golden glänzenden Dach der Shwedagon-Pagode, lebt der 18-jährige Kyaw Win Than mit seinen Eltern und zwei Geschwistern. Die Familie war stolz auf ihr kleines, einfaches Holzhaus mit der meterhohen Palme vor dem Eingang. Jetzt ist von dem Haus nichts weiter übrig als eine einzige Wand und ein über und über mit Schlamm bedeckter Fußboden.

Kyaw und seine Familie hatten Glück im Unglück, als der Wirbelsturm Nagris am 3. Mai auf die Küste Myanmars traf, wo er Tausende Menschen tötete und Hunderttausende obdachlos machte. Zusammen mit seinen Eltern, seinem 16-jährigen Bruder und seiner kleinen Schwester war der 18-jährige Kyaw bereits an einen sicheren Ort geflüchtet. Die Palme vor dem Haus jedoch konnte dem Sturm nicht trotzen. Wie ein Streichholz knickte sie ein, fiel auf das Haus der Familie und riss das Dach und drei der vier hölzernen Wände ein. Jetzt hat die Familie kein Zuhause mehr und muss täglich um ihr Überleben kämpfen. Ohne die Hilfe von Organisationen wie Save the Children scheint dieser Kampf jedoch ausweglos.

Wie Kyaw geht es heute, knapp zwei Wochen nach dem Zyklon Nagris, vielen Millionen Einwohner Myanmars. Durch den Sturm haben sie alles verloren, sind aber mit dem Leben davon gekommen. Glück, das viele andere Menschen nicht hatten: Offizielle Schätzungen gehen bisher von 30.000 Toten aus, die wirkliche Zahl wird jedoch um ein vielfaches höher sein. Save the Children schätzt, dass allein 400.000 Kinder nach dem Sturm auf Nothilfe angewiesen sind.

Bereits wenige Stunden nach dem Zyklon konnte Save the Children die ersten Nothilfepakete mit Decken, Wasseraufbereitungstabletten und Kochgeschirr rund um Yangon verteilen und bis heute so 80.000 Menschen in der Region helfen. Seit 1995 arbeiten wir in Myanmar, um die Situation der Kinder und ihren Familien zu verbessern. Deshalb war es unseren 500 Mitarbeitern vor Ort möglich, sofort mit der Katastrophenhilfe zu beginnen und die betroffenen Menschen zu versorgen. Seit Sonntag können wir endlich auch Reis, Trinkwasser, Zeltplanen und weitere dringend benötigten Hilfsmittel im Pyin Kayaing Delta, einer der am stärksten betroffenen Regionen, verteilen. Dort leben die Menschen noch immer in notdürftig zusammenbebauten Unterkünften. Ohne Latrinen steigt die Gefahr, dass ansteckende Krankheiten ausbrechen, stündlich.

Auch Kyaws Familie in Yangon braucht dringende Unterstützung. Bereits vor einigen Jahren musste der junge Mann die Schule abbrechen, um die Familie zu ernähren. Sein Vater, ein Rikschafahrer, und seine Mutter waren allein dazu nicht mehr in der Lage. Das Geld, das Kyaw mit seinem Job in einer Firma in der Innenstadt verdiente, reichte gerade so aus, damit alle täglich satt wurden. Aber der Wirbelsturm hat alles verändert. „Ich möchte gern unser Haus wieder aufbauen“, erzählt Kyaw. „ Aber jetzt brauchen wir erst einmal dringend Essen und Kleidung. Unser Essen können wir uns aber nur kaufen, wenn ich zur Arbeit gehe.“

Und genau da liegt das Problem: Die Preise für grundlegende Dinge wie Essen und Benzin sind nach dem Sturm dramatisch gestiegen. Kyaw kann es sich nun nicht einmal mehr leisten, die 1.000 Kyat (ca. 70 Cent) für die Busfahrt aufzubringen, um zur Arbeit zu kommen. Aber ohne Arbeit bekommt er auch keinen Lohn. Ein typischer Teufelskreis in Myanmar, in dem schon vor dem Zyklon Tausende Menschen gefangen waren. Jetzt lebt der 18-jährige von der Hand in den Mund.

Nicht mehr als ein Trümmerhaufen ist vom Haus der Familie Than übriggeblieben. (Copyright: Save the Children Deutschland)In der Deltaregion des Landes, dort wo der Sturm die stärksten Schäden angerichtet hat und wo die Nothilfe aufgrund äußerer Umstände nur schleppend anläuft, ist die Situation für die Betroffenen noch katastrophaler. Die Gesundheit der Überlebenden wird durch zahlreiche Faktoren bedroht: Durchfall, Malaria und tagelanges Ausharren im Freien mit nur wenig Lebensmitteln und Trinkwasser. Besonders für kleine Kinder sind Durchfallerkrankungen oftmals tödlich, wenn sie nicht sofort behandelt werden.

„Save the Children mobilisiert alle seine Mitarbeiter vor Ort“, berichtet Dan Collison von Save the Children. „Viele unserer Leute haben selbst ihr Zuhause verloren. Wir versuchen, die bedürftigsten Kinder und ihre Familien zu erreichen und sie mit Schutzplanen, sauberem Trinkwasser, Moskitonetzen und Gesundheitspaketen zu versorgen.“ Zahlreiche Dörfer in der Deltaregion wurden verwüstet, mehr als 3.000 Schulen beschädigt. Noch immer stehen viele Teile des Deltas unter Wasser und sind nur per Boot zu erreichen. Das erschwert unsere Katastrophenhilfe erheblich. „Die angekündigten Regenfälle und ein drohender neuer Zyklon werden die verzweifelte Situation vieler Familien weiter verschlimmern“, führt Collison fort.

Auch Kyaws Familie in Yangon leidet unter den erneuten Regenfällen. Wenn es nachts trocken ist, können alle zusammen in den Überresten des Hauses unter freiem Himmel schlafen. Bei Regen jedoch versammeln sich alle Nachbarn in den wenigen Häusern, die noch ein Dach haben. Weil die Häuser aber sehr klein sind, passen nicht alle fünf Mitglieder der Than-Familie zusammen in eines der Nachbarhäuser. Dann muss sich die Familie auf die wenigen Häuser aufteilen.

„Ich weiß nicht, wo ich das Geld hernehmen soll, um meinen Eltern wieder ein Dach über dem Kopf zu bauen“, erzählt Kyaw traurig. Nagris hat ihm und seinen Elter das Wenige genommen, das sie besaßen. Schon vor dem Sturm musste die Familie täglich um ihr Überleben kämpfen. Jetzt ist die Sutiation noch dramatischer: Ohne Hilfe wird die Familie nicht überleben können.

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14.05.2008