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Katastrophenhilfe
 

Unser Schwerpunkt: Der Schutz von Kindern in Katastrophen

Katastrophenhilfe. (Copyright: Save the Children, Save the Children Deutschland) 

Weltweit leben 250-300 Millionen Kinder in humanitären Krisen und Katastrophensituationen. Allein die Hälfte der insgesamt 24,5 Millionen Menschen, die im Jahr 2007 aufgrund eines Konfliktes nicht in ihrer Heimat leben konnten, sind jünger als 18 Jahre.

Die Gefahren, denen vor allem Mädchen und Jungen während einer Krise oder Katastrophe ausgesetzt sind, sind zahlreich: Sexueller Missbrauch, Ausbeutung und körperliche Gewalt sind an der Tagesordnung. Der Verlust der Familie und der Existenzgrundlage sind vor allem während Naturkatastrophen ein plötzlich auftretendes Problem. In Krisen und Kriegen kommt es hingegen verstärkt zur Rekrutierung von Minderjährigen in eine Armee oder Kampfgruppe. Sowohl in Naturkatastrophen als auch während Konflikten wird Lernen oftmals unmöglich. Schulen, eigentlich sichere Orte für Kinder, bieten nicht mehr den Schutz, den sie versprechen.

Um Kindern ein Höchstmaß an Hilfe und Schutz vor derartigen Risiken zu gewährleisten, konzentriert sich die Arbeit von Save the Children während einer Krise oder Katastrophe daher neben der akuten Nothilfe auf fünf Bereiche. Die Bereiche greifen ineinander und hängen sehr stark von der jeweiligen Situation des individuellen Kindes ab.

Das Recht auf Schutz vor der Trennung von der Familie
Das Recht auf Schutz vor der Rekrutierung von Kindern in die Armee oder in bewaffnete Kampfgruppen
Das Recht auf Schutz vor Ausbeutung und geschlechtsspezifischer Gewalt
Das Recht auf Schutz vor (körperlichen) Verletzungen
Das Recht auf Schutz vor psychologischer Gewalt


Das Recht auf Schutz vor der Trennung von der Familie

Im Chaos einer Katastrophe werden Kinder häufig von ihren Eltern oder ihrer Familie getrennt. Allein im Jahr 2000 waren das über eine Million Kinder. Die Suche nach den Familienangehörigen und die Zusammenführung der Kinder mit ihren Familien stehen in jeder Phase der Krise im Vordergrund. Save the Children hat internationale Standards für die Zusammenführung entwickelt.

Im Südsudan kommt es aufgrund gewalttätiger Konflikte verstärkt zur Trennung von Familien. Da Kinder oftmals ihre Familiennamen nicht wissen, ist es schwer, sie zu ihren Familien zurückzubringen. Deshalb ermutigen wir Mädchen und Jungen, ihren Familienstammbaum in Form eines Lieds zu lernen, vor allem die Namen von Eltern, Großeltern und Urgroßeltern. Das erleichtert eine Familienzusammenführung im Ernstfall enorm.

Das Recht auf Schutz vor der Rekrutierung von Kindern in die Armee oder in bewaffnete Kampfgruppen

Während einer bewaffneten Auseinandersetzung werden Mädchen und Jungen häufig in der Armee oder in Kampfgruppen eingesetzt. Zwangsrekrutierungen sind an der Tagesordnung. Minderjährige kämpfen, fungieren als Spione oder Boten, Köche oder Lastenträger. Sie sind in ständiger Gefahr, getötet zu werden. Nicht selten werden sie sexuell und psychisch missbraucht. Schätzungen gehen davor aus, dass bis zu 300.000 Kinder in mindestens 13 Ländern auf irgendeiner Weise mit militärischen Gruppen in Verbindung stehen. Save the Children hilft z.B. in so genannten Transitlagern, um ehemaligen Kindersoldaten die Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu ermöglichen. 

Nur eine Handvoll Kinder in unseren sozialen Bildungs- und Wiedereingliederungszentren in Côte d’Ivoire kehrte 2004 zu den bewaffneten Gruppen zurück. Das sichere und strukturierte Umfeld, dass unsere lokalen Kinderschutzkomitees geschaffen hatten, dienten als Puffer zwischen den Kindern und den Truppen, die versuchten, die Mädchen und Jungen erneut anzuweben.

Das Recht auf Schutz vor Ausbeutung und geschlechtsspezifischer Gewalt

Sexuelle Gewalt und Ausbeutung sind ständige Risiken, denen Kinder während einer Katastrophe ausgesetzt sind. Sobald normale Schutzstrukturen nicht mehr funktionieren, werden Kinder häufig Opfer von Vergewaltigung, sexueller Belästigung, Kinderhandel und Zwangsheirat. Die Gefahr, an HIV/AIDS oder anderen Infektionen zu erkranken, steigt. Das volle Ausmaß dieser Gewalt ist unbekannt. Die Organisation UNIFEM schätzt, dass 94% aller Vertriebenen in Sierra Leone sexuellen Missbrauch erfahren haben. Weitere 40% der Bewohner, darunter fast 700.000 Kinder, wurden während des Bürgerkriegs sexuell missbraucht. Save the Children klärt gefährdete Kinder und Frauen auf, wie sie sich vor sexuellen Übergriffen schützen können.

In Darfur schult Save the Children Frauen und junge Mädchen in praktischen Fähigkeiten. Wir zeigen ihnen auch, wie sie sich vor geschlechtsspezifischer Gewalt schützen und bieten in Beratungszentren Unterstützung für die Opfer.

Das Recht auf Schutz vor (körperlichen) Verletzungen

Jede Krise oder Katastrophe birgt die Gefahr, dass Zivilisten und besonders Kinder verletzt oder getötet werden. Hilfsprogramme, die die körperliche Sicherheit von Kindern gewährleisten und den verstärkten Schutz von Jungen und Mädchen durchsetzen, sind unerlässlich. Dazu zählt auch die baldmögliche Wiederaufnahme des Unterrichts in Schulen oder provisorischen Bildungseinrichtungen. Schulen müssen sichere Orte sein, an denen Kinder geschützt vor Gewalt lernen können.

Nach dem Erdbeben 2005 in Pakistan richtete Save the Children kinderfreundliche Schutzzonen ein, an denen die Mädchen und Jungen spielen und lernen konnten – fernab der Verwüstung und den Gefahren des Erbebengebiets.

Das Recht auf Schutz vor psychologischer Gewalt

In der Regel sind Kinder während einer Katastrophe Extremsituationen ausgesetzt, die sie ohne Hilfe nicht bewältigen können. Daher müssen nicht nur Grundbedürfnisse wie Nahrung und Unterkunft, sondern auch emotionale und psychische Unterstützung sicher gestellt werden. Save the Children bildet unter anderem psychologische Betreuer aus, die Kindern in Katastrophen zur Seite stehen, um die Verarbeitung der Traumata zu begleiten. Das geschieht zum Beispiel an extra eingerichteten sicheren Plätzen. Aber auch die langfristige Betreuung betroffener Kinder ist Teil der Nothilfe.

In Gaza hat Save the Children Sozialarbeiter an Schulen in Trauma-Bearbeitung weitergebildet. Jetzt helfen sie nicht nur Kindern bei der Verarbeitung ihrer Erlebnisse, sondern bilden selbst andere Sozialarbeiter weiter. 2004 hat Save the Children zudem die Lehrer in den Schulen im Bereich Krisenintervention in Schulklassen ausgebildet.

Die steigende Anzahl von Naturkatastrophen und die sich ständig erhöhende Gefahr bewaffneter Konflikte (z.B. durch den Kampf um Rohstoffe oder Wasser) werden weiterhin weltweit Kinderleben bedrohen. Viele Kinder in gefährdeten Regionen schauen daher in eine unsichere Zukunft. Save the Children wird angemessen auf Katastrophen- und Krisensituationen reagieren müssen. Damit Mädchen und Jungen aber nicht zu hilflosen Leidtragenden werden, unterstützt Save the Children die Kinder sowie ihr gesamtes Umfeld darin, Maßnahmen für einen besseren Schutz vor Katastrophen zu entwickeln. Kinder erarbeiten z.B. selbst in der Schule Maßnahmenpläne für den Fall einer Naturkatastrophe.

.  Unterstützen auch Sie die Arbeit von Save the Children mit Ihrer Spende!

26.05.2008