Haben Sie Fragen zu Save the Children, zu Ihrer Spende oder zu der Finanzierung unserer Projekte?
Unsere Mitarbeiterinnen der Spender-Hotline geben Ihnen gerne Auskunft.
Spender-Hotline:
(030) 27 59 59 79 79
9 bis 16
spenden(at)
savethechildren.de
„Agogo“ heißt „Großmutter“ auf Chichewa, der Sprache Malawis. Heute haben sich alle Agogos in einem Bergdorf nahe der Kleinstadt Ekwendini im Norden des Landes versammelt, um den Besuchern zu erzählen, was sie dort tun. Den Besuchern, die so vollkommen anders aussehen, wie sie selbst. Deren schlichte Kleidung im harschen Kontrast zu den bunten Röcken der Frauen steht, deren helle Haut fast störend wirkt in dem großen, zum Dorfplatz hin geöffneten Raum, in dem das ganze Dorf zusammengekommen ist.
Die Großmütter gehören zu einem der vielen Agogo-Clubs in Malawi, die Save the Children gegründet hat. Großeltern sind nicht nur Bewahrer der traditionellen Werte der Gemeinschaft, sondern bestimmen gleichzeitig über Neugeborene und ihre Mütter. Für unser „Saving Newborn Lives“-Programm sind sie deshalb ein Schlüsselfaktor, um die Überlebenschancen der Neugeborenen in einem der ärmsten Länder Afrikas zu verbessern.
Ein Grund für die hohe Sterblichkeitsrate von Neugeborenen ist das Festhalten an traditionellen Praktiken: Gleich nach der Geburt werden die Babys gewaschen, anstatt sie abzutrocknen und warm zu halten. Lungenentzündungen sind eine der Hauptursachen dafür, dass Kinder die ersten Tage nach der Geburt nicht überleben. Dann kann auch der traditionelle Medizinmann im Dorf nicht weiterhelfen, zu dem Mütter immer noch lieber gehen, als in das vielleicht weit entfernt liegende Provinzkrankenhaus.
Noch immer ist der Raum vom metallischen Klingen der Rasseln erfüllt, die sich die Männer vor dem Tanz um Beine und Hüfte geschnallt haben. Doch schon bald danach sind fast 50 Stimmen zu hören, die singend ihre Botschaften vermitteln wollen. Die Besucher verstehen kein Wort von dem, was da gesungen wird. Aber das müssen sie auch nicht. Viel wichtiger ist, dass die jungen Mütter im Dorf, aber auch die Väter und Brüder begreifen, worum es in den Liedern geht.
Bereits sehr früh, nachdem „Saving Newborn Lives“ ins Leben gerufen wurde, stellte die Sozialarbeiter in Ekwendini fest, dass es nicht reichen würde, nur mit den Müttern zu sprechen: „Trotz unserer Aufklärung sind die Frauen noch immer den gleichen traditionellen Verhaltensmustern gefolgt und haben damit ihre Babys vor die altbekannten Probleme gestellt. Es änderte sich nichts.“ Gleichzeitig äußerten einige Großmütter den Wunsch, stärker in unser Programm einbezogen zu werden. Dies war der Start der Agogo-Clubs.
Im August 2004 konnten wir die ersten Agogos schulen und sie über die notwendigen Veränderungen im Verhalten der Mütter aufklären. Bis heute haben über 2.500 Großmütter an den dreitägigen Trainings teilgenommen, in denen sie unter anderem lernen, wie wichtig der Hautkontakt zwischen Kind und Mutter ist, wie Babys richtig gepflegt werden und wie man Krankheiten erkennt. Ihr Wissen tragen sie in ihre Gemeinden und diskutieren dort mit den örtlichen Gesundheitskomitees, schwangeren Frauen, jungen Männern und vielen anderen Dorfbewohnern. Eine Mutter erzählt: „Als mein Baby krank wurde, habe ich es zu unserem Medizinmann gebracht. Er hat es mit Lehm eingerieben und gesagt, dass mein Kind bald wieder gesund sein wird. Als es ihm nach zwei Tagen noch immer schlecht ging, haben mich die Alten im Dorf davon überzeugt, mit ihm ins Krankenhaus zu gehen.“
Dass die Dorfbewohner stolz auf das sind, was sie erreicht haben, ist nicht zu übersehen. Über zwei Stunden singen und tanzen sie und führen Theaterstücke auf. Dann ist Schluss. Schon bald nachdem die Besucher das Dorf verlassen haben, kehrt wieder Ruhe und Alltag ein. Aber schon morgen werden die Agogos in einem der vielen Nachbardörfer sein, um Mütter über die richtige Pflege für ihre Babys aufzuklären. Und um das Leben von vielen dieser Babys zu retten.