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Citane wohnt in Binga Sinasengwe, einem kleinen Dorf im Westen Simbabwes. Sie ist das jüngste von vier Kindern und lebt als einzige noch bei ihrer Mutter. Seit drei Jahren ist Citanes Mutter schwer krank. Lange Zeit glaubten die 16-Jährige und ihre Geschwister, dass die Mutter durch Zauberei krank geworden sei. Erst vor wenigen Monaten wurde sie HIV-positiv getestet.
Citane war 14 Jahre alt, als ihr Vater starb. Heute vermutet sie, dass auch er an Aids erkrankt war. Nachdem die Mutter krank wurde, musste Citane die Schule verlassen, um sich um den Haushalt zu kümmern und ihre Mutter zu pflegen. Die Familie besitzt nur wenig. Das Geld reicht weder für die Schulgebühren noch für die Medikamente der Mutter.
Die Pflege der Mutter, das Versorgen der Tiere und der Haushalt lasten schwer auf den Schultern des 16-jährigen Mädchens. Ohne Seife oder andere Putzmittel muss Citane die Wäsche der Mutter waschen, der Geruch von Erbrochenem liegt oft im ganzen Haus. Die Nachbarn sind keine Hilfe. „Du bist ein großes Mädchen“, sagen sie oft, „es wird schon alles gut werden.“ Citane fühlte sich lange hilflos und war häufig wütend: „Ich wollte jedes Mal schreien, wenn ich so etwas hörte!“
2006 hatte Citane jedoch Glück. Der Dorfälteste schlug ihr vor, an einem Gesundheits-Workshop von Save the Children teilzunehmen. In diesen Workshops vermitteln wir Kindern Grundkenntnisse in der Pflege von aidskranken Familienmitgliedern. Dort war es auch das erste Mal, dass Citane die Symptome ihrer Mutter mit Aids in Verbindung brachte.
Citane hat in unserem Workshop viel gelernt. Sie weiß nun, wie sie sich vor einer Infektion mit dem HI-Virus schützen und ihrer Mutter besser helfen kann. Sie benutzt Handschuhe
und kennt sich jetzt mit gesunder Ernährung aus. Wenn es ihrer Mutter besonders schlecht geht, bereitet sie eine Zucker-Salz-Lösung zu. Die Mineralien, die die Mutter verliert, wenn sie sich übergeben muss, werden damit dem Körper wieder zugeführt.
Aber Citane ist in Simbabwe kein Einzelfall. Die 12-jähirge Agnes aus Nyaminyami kümmert sich um ihre große Schwester Julia. Die Mutter muss den ganzen Tag auf dem Feld arbeiten, um die Familie zu versorgen. Die Dorfgemeinschaft hat die Familie ausgeschlossen, auch Julias Ehemann will die kranke Frau nicht mehr bei sich haben. Eine Workshop-Leiterin lud Agnes ein, weil sie sah, dass das Mädchen nicht wusste, wie sie sich vor einer Infektion schützen kann. Jetzt geht sie jeden Donnerstag zum Gesundheits-Workshop von Save the Children. Dort lernt sie nicht nur den richtigen Umgang mit ihrer kranken Schwester. Sie trifft hier auch andere Kinder, die in einer ähnlichen Situation leben, wie sie selbst.
Zweimal in der Woche kommt eine Krankenschwester zu Citane und ihrer Mutter. In dieser Zeit muss das Mädchen nicht bei der Mutter bleiben und kann für wenige Stunden in der Woche einmal das tun, wozu sie Lust hat. Dann geht sie mit ihrer Freundin Janet spielen. Sie hat Janet bei unserem Workshop kennengelernt, weil auch sie sich alleine um ihre kranke Mutter kümmern muss. Wann immer die beiden Mädchen können, besuchen sie ein Jugendzentrum von Save the Children. Die soziale und psychische Unterstützung durch das Zentrum gibt ihnen die Kraft, nach vorne zu schauen: „Ich möchte wieder zur Schule gehen und Krankenschwester werden“, wünscht sich Citane. Sie weiß, ohne eine Ausbildung wird sie es schwer haben.
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