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In ihrem siebten Schwangerschaftsmonat wurde Grace Ngoto wegen Komplikationen ins Bottom Hospital in Lilongwe, der Hauptstadt Malawis, eingeliefert. Das Chinin, dass sie gegen ihre Malaria genommen hatte, verursachte die Schmerzen. „Die Ärzte erzählten mir, dass mein Baby tot sei. Sie wollten mich operieren, um mein Leben zu retten. Ich hatte schreckliche Angst“, erinnert sich Grace, die mit 33 Jahren das erste Mal schwanger war. Als sie aus der Narkose erwachte, hatten die Ärzte jedoch eine freudige Nachricht: Ihr Baby lebte. Aber es war außergewöhnlich klein, wog nicht einmal zwei Pfund.
Auf Anraten einer der Krankenschwestern kam Grace in die „Känguru-Mütter-Programm“-Abteilung des Krankenhauses. Diese Abteilung wurde im Zuge des „Saving Newborn Lives“-Programms von Save the Children gegründet, das von der Bill und Melinda Gates Stiftung unterstützt wird. Vor der Einführung des Känguru-Mütter-Programms - und leider auch heute noch viel zu oft - werden Frühchen einfach in einen Brutkasten gelegt, der veraltet ist und nur selten wirklich funktioniert. Für die Mütter gibt es feste Zeiten, zu denen sie ihre Kinder füttern können: Alle drei Stunden dürfen sie zu ihren Babys. Grace hingegen war jetzt rund um die Uhr mit ihrer kleinen Tochter Tumtumfwe zusammen. Wie ein Känguru, das sein Neugeborenes im Beutel trägt, hielt Grace ihr Baby unter der Kleidung nah am Körper. Dies garantierte nicht nur den wärmenden Hautkontakt zwischen Mutter und Kind, sondern ermöglichte ihr, Tumtumfwe zu füttern, wann immer sie Hunger hatte, ohne auf festgelegte Zeiten Rücksicht nehmen zu müssen. Nach einer Woche in der Känguru-Mütter-Programm-Abteilung des Krankenhauses wog Tumtumfwe bereits 100 Gramm mehr.
Frühgeburten sind weltweit ein immer stärker werdendes Problem, vor allem in Entwicklungsländern. Da ist auch Malawi keine Ausnahme. 48 von 1.000 zu früh geborenen Kinder sterben dort jedes Jahr in den ersten Tagen nach der Geburt. Der Bericht zur Situation der Mütter in der Welt , den Save the Children jedes Jahr veröffentlicht, setzt Malawi damit auf Rang 58 von 79 Ländern, in denen wir die Situation von Müttern und Kindern untersucht haben. 20% der Kinder in Malawi kommen zu früh auf die Welt, Malaria und Unterernährung sind die Hauptursache. 80% aller Todesfälle bei Neugeborenen lassen sich auf Untergewicht bei der Geburt zurückführen.
Seit Einführung des Känguru-Mütter-Programms ist im Bottom Hospital von Lilongwe keine der 315 Frühgeburten an Unterernährung gestorben. Victoria Kuanda ist Krankenschwester im Bottom Hospital und schult andere Pflegekräfte und Mütter darin, wie Neugeborene gepflegt werden müssen. Sie erzählt: „Dieses Programm ist ein solcher Erfolg, es gibt sogar schon Frauen, die gezielt nach unserem Känguru-Mütter-Programm fragen, weil sie an diesem Programm teilnehmen wollen. Wenn die Mütter in der normalen Kinderstation des Krankenhauses sehen, wie schnell es den Babys dort besser geht und wie früh die Mütter und ihre Kinder nach Hause gehen können, dann merken sie, dass diese Methode gut ist.“
Heute ist Tumtumfwe sieben Monate alt und ein aufgewecktes Kind. Ihre Mutter nimmt sie oft mit ins Krankenhaus, um den Frauen dort zu zeigen, wie unser Känguru-Mütter-Programm ihr Leben verändert hat.
Den vollständigen Bericht zur Situation der Mütter in der Welt 2006 können Sie in englischer Sprache herunterladen
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