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In guten Händen – eine Erfolgsgeschichte aus Äthiopien

Bjorn Hagen. Der Erfolg unserer Arbeit hängt wesentlich von unseren Kollegen in den Programmländern ab. Einer von ihnen ist Björn Hagen. Bei einem Projektbesuch Ende 2006 sprach ich mit ihm über unser Grundbildungsprogramm in Äthiopien.

Björn Hagen, ein 60-jähriger Norweger, ist ein alter Hase in Sachen Entwicklungszusammenarbeit. Er gehört zu jenen Menschen, die durch Autorität bestechen, gepaart mit einem guten Schuss Humor und Freundlichkeit. Mit der Gelassenheit erfahrener Menschen erzählt er von der atemberaubenden Entwicklung, die die ABE-Zentren (engl. „Alternative Basic Education Centres“) – zu Deutsch: Zentren für alternative Grundbildung – unter seiner Leitung seit 2003 genommen haben.

Vor vier Jahren übernahm Björn Hagen die Stelle als Programmdirektor von Save the Children in Äthiopien. Kurz darauf wandten sich die Bildungsbeauftragten der Region Amhara an ihn, denn die Einschulungsquoten im nördlichen Äthiopien waren viel zu gering. Nur mit einer drastischen Erhöhung würde die Regierung in der Lage sein, das zweite Millenniumsziel der Vereinten Nationen zu erreichen: Bis 2015 sollen alle Kinder eine Grundschule besuchen können. Das traditionelle Schulsystem könne dies nicht leisten. Deshalb habe die Regierung eine Untersuchung über „alternative Grundbildungsmodelle“ durchgeführt und festgestellt, dass Save the Children die besten Ergebnisse vorweisen könne.

Björn Hagen: „Das war zwar eine schöne Anerkennung unserer Arbeit, aber gleichzeitig auch eine riesige Herausforderung, der wir uns zu stellen hatten. In der Region Amhara nahmen damals 3.000 Kinder an alternativen Grundbildungsprogrammen teil. Wir setzten uns das Ziel, dass daraus so bald wie möglich 40.000 Kinder werden sollten. Doch dafür mussten wir eine Menge zusätzlicher Finanzen aufbringen. Ich wurde zum Botschafter für alternative Grundbildung und konnte viele Menschen von dem Programm überzeugen. Es gelang mir tatsächlich, die Summe aufzubringen. Bereits nach zwei Monaten hatten wir unser Ziel erreicht: 40.000 Kinder gingen zur Schule.Äthiopien - Grundbildung. Bei einem Projektbesuch Ende 2006 besuchte Manuela Kikillus, Geschäftsleiterin von Save the Children Deutschland das Grundbildungsprogramm von Save the Children in Äthiopien. (Copyright: Manuela Kikillus, Save the Children Deutschland)

Der Erfolg unseres Projektes entwickelte eine unvorhergesehene Eigendynamik. Ich berichtete überall über unser Projekt und fand etliche Unterstützer. An Weihnachten, also nur vier Monate nach dem Beginn unseres Projektes, besuchten bereits 90.000 Kinder ein alternatives Grundbildungsprogramm von Save the Children. Wir beschlossen, das Programm bei 167.000 Kindern zu schließen. Doch selbst diese beeindruckende Zahl war bald überschritten: Bereits nach einem halben Jahr hatten wir 230.000 Kinder in alternativen Schulprogrammen untergebracht! Der in der Region für die Bildung verantwortliche Beamte kommentierte dieses Ergebnis so: ‘Das ist ein Erfolg, den wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen, denn wir müssen die Zahl der eingeschulten Kinder vorerst begrenzen, um die Qualität der Bildung zu gewährleisten. Wir kommen kaum mit der Ausbildung von neuen Lehrern und der Ausstattung der Kinder mit Schulbüchern nach. ’ “

Zunächst blieb es bei der Einschulung von 245.000 Kindern. Die Gemeinden wurden verpflichtet, 1.917 neue ABE-Zentren zu bauen. Gleichzeitig verstärkte Save the Children die Ausbildung von Lehrkräften: Während in der Region Amhara ursprünglich nur ein College für die Ausbildung von Lehrern und Hilfskräften zur Verfügung stand, sind es heute vier. Insgesamt wurden seit Beginn des Programms im Jahr 2003 6.000 Fachkräfte für alternative Grundbildung ausgebildet.

Äthiopien - ABE-Zentren. 1. November 2005: Fadumo, 13 (links) und Ruqia, 13 (rechts), besuchen eine Klasse des alternativen Grundbildungsprogrammes von Save the Children in Äthiopien. (Copyright: Stuart Freedman, Save the Children UK)Mittlerweile führt das Bildungsministerium der Region Amhara das Programm eigenständig weiter. Save the Children ist Programmpartner. „Unser nächstes Ziel ist es, dass bis zum Jahr 2010 900.000 Kinder unsere ABE-Zentren besuchen und noch viel mehr zur Schule gehen können. Das ist eine weitere große Herausforderung! Außerdem möchte Save the Children dieses Erfolgsmodell auch auf andere Regionen übertragen. Wir haben gerade mit ersten ABE-Zentren im Süden Äthiopiens begonnen. Dort liegt die Einschulungsrate bei nur 13 % “, erzählt Björn Hagen.

Solche Erfolge und gute Nachrichten für unsere Spenderinnen und Spender sind möglich – wenn man in guten Händen ist, wie bei Björn Hagen.

Manuela Kikillus
 

Alternative Grundbildung konkret: Die ABE-Zentren
Mit den „Zentren für Alternative Grundbildung“ - ABE (engl.) steht für Alternative Basic Education - bietet Save the Children Kindern im ländlichen Äthiopien Grundbildung ganz in der Nähe. Durch die ABE-Zentren wird Bildung auch für Kinder möglich, deren Eltern sich einen regulären Schulbesuch nicht leisten können. Auch dort, wo die nächste reguläre Schule so weit entfernt ist, dass die Eltern ihre Kinder - vor allem die Mädchen - nicht alleine dorthin gehen lassen, oder auch wenn die Eltern die Mithilfe der Kinder benötigen, um das Familieneinkommen zu verbessern, sind ABE-Zentren eine willkommene Alternative. Am Ende der 3-jährigen Grundbildung steht eine Aufnahmeprüfung für das reguläre Schulsystem. Viele Schülerinnen und Schüler besuchen im Anschluss eine weiterführende Schule. Sie bringen auch für eine Berufsausbildung gute Voraussetzungen mit.

 

 

 

 

 

 

 

 

Save the Children in Äthiopien

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01.02.2007